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Tibetischem Demonstrant von 2008 gelingt die Flucht nach IndienIGFM München
Ein Tibeter, der wegen seiner Beteiligung an Protestaktionen gegen die chinesische Herrschaft seit über zwei Jahren von der chinesischen Polizei gesucht wird, ist seinen Verfolgern entkommen und sicher in Indien angelangt.Namsa Wangden, der ursprünglich aus der Stadt Shusor im Bezirk Kardze ( chin. Ganzi ) in der westchinesischen Provinz mit ...
Ein Tibeter, der wegen seiner Beteiligung an Protestaktionen gegen die chinesische Herrschaft seit über zwei Jahren von der chinesischen Polizei gesucht wird, ist seinen Verfolgern entkommen und sicher in Indien angelangt. Namsa Wangden, der ursprünglich aus der Stadt Shusor im Bezirk Kardze ( chin. Ganzi ) in der westchinesischen Provinz Sichuan stammt, erreichte mit seiner Frau und seiner Tochter in der dritten Novemberwoche den indischen Bergort Dharamsala. Wie Wangden einem RFA-Reporter mitteilte, war die Familie zuvor von Tibet über die Grenze nach Nepal gelangt: Anfang November kamen wir im Flüchtlingszentrum von Kathmandu an. Das Vorgehen der nepalesischen Polizei machte uns jedoch Sorgen, daher sind wir so bald wie möglich nach Dharamsala weitergereist, gab er an. Nepal hat in den letzten Jahren enge Verbindungen zu China aufgebaut und schränkt die Bewegungsfreiheit und die Aktivitäten tibetischer Flüchtlinge im Land ein. Mitunter werden sie zwangsweise nach China zurückgeschickt, wenn sie versuchen, die Grenze zu überqueren. Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen Wangden, der mit seiner Familie in einer sechsköpfigen Gruppe nach Nepal floh, berichtete, dass die Sicherheitsmaßnahmen in der Gegend, die sie auf ihrem Weg durchquerten, verstärkt worden seien. Die Zahl der chinesischen Grenzpatrouillen war erhöht worden, und es war sehr schwierig für uns, unentdeckt zu bleiben, sagte er. Ich hatte vorher schon einmal die Grenze nach Nepal überquert, als es noch leicht war, aber diesmal sah das Ganze völlig anders aus. An der Grenze hatte man mehrere Kasernen für die Chinesen, die das Gebiet überwachten, gebaut, und es waren ( überall ) Kameras angebracht worden. Wie Wangden berichtete, gelang es der Gruppe beim dritten Versuch, unbemerkt an den Lagern der Grenzsoldaten vorbeizukommen. Wir hörten, daß eine Gruppe von acht Personen versuchte, hinter uns über die Grenze zu kommen, aber sie wurden entdeckt und festgenommen. Versteckt im Wald Wangden hatte sich, wie er sagte, zwei Jahre zuvor an einer Protestkundgebung in Kardze beteiligt. Gemeinsam mit anderen Tibetern hatte er mehr Freiheit gefordert und verlangt, dass das geistliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, zurückkehren solle, der 1959 nach dem Scheitern des Volksaufstands gegen die chinesische Herrschaft ins indische Exil geflohen war. Als die chinesischen Sicherheitskräfte kamen, setzten sie Eisenstangen und Knüppel ein, und am Ende schossen sie auf uns, berichtete Wangden. Ein Freund rief uns zu, wir sollten wegrennen, aber er selbst schaffte es nicht, ihnen zu entkommen, und wurde mit zwölf weiteren Tibetern verhaftet. Ich konnte in den Wald fliehen und mich zum angrenzenden Kreis Nyagrong durchschlagen. Ich blieb etwa vier Monate in den Wäldern von Nyagrong. Tagsüber aß ich nichts. Dann schloss ich mich einer Gruppe tibetischer Nomaden an, die in der Gegend lebten. Mithilfe eines Freundes erreichte er Lhasa und entschloss sich gemeinsam mit seiner Familie zur Flucht nach Nepal. Er wählte mit seiner Frau, seiner Tochter und anderen dieselbe Route, die er schon einmal genommen hatte. Fast drei Jahre lang war ich auf der Flucht, sagte er. Gewaltsame Auseinandersetzungen des Jahres 2008 Viele Tibeter haben sich jahrelang unter der chinesischen Herrschaft aufgerieben, die, wie sie sagen, die Kultur ihres Landes zerstört und die Menschen in der freien Ausübung ihrer Religion stark eingeschränkt hat. Im März 2008 wurde Lhasa von Unruhen erschüttert, und die Proteste breiteten sich bis in die von Tibetern besiedelten Gebiete Westchinas aus. Dies brachte die Regierung vor den Olympischen Spielen im August 2008 in Beijing in Verlegenheit. Schätzungen der tibetischen Exilregierung in Indien zufolge wurden bei dem anschließenden scharfen Vorgehen mindestens 220 Tibeter getötet und weitere 7000 verhaftet. Quelle: Radio Free Asia, www.rfa.org
Adelheid Dnges IGFM Packenreiterstr. 18 81247 Mnchen Telefon: 089/8113574 Fax: - Internet: http://www.igfm-muenchen.de EMail: tibet@igfm-muenchen.de
Woeser: Wo wird das nächste Drugchu sein? - Wo schlägt der Drache das nächste Mal zu?IGFM München
Wo passiert die nächste Katastrophe? ( Belog von Woeser ) Am 8. August, kurz vor Morgendämmerung, kam es in Drugchu zu verheerenden Erdrutschen, gewaltige Schlammlawinen gingen über die Stadt nieder ( 1 ). Der Bezirk Drugchu liegt in der TAP Gannan ( tib. Kanlho ), Präfektur Gansu.Der Distrikt Drugchu ( chin. Zhouqu ) war einst von ...
Wo passiert die nächste Katastrophe? ( Belog von Woeser ) Am 8. August, kurz vor Morgendämmerung, kam es in Drugchu zu verheerenden Erdrutschen, gewaltige Schlammlawinen gingen über die Stadt nieder ( 1 ). Der Bezirk Drugchu liegt in der TAP Gannan ( tib. Kanlho ), Präfektur Gansu. Der Distrikt Drugchu ( chin. Zhouqu ) war einst ausschließlich von Tibetern bewohnt. Heute ist nur etwa ein Viertel seiner Bevölkerung tibetisch, und es werden ständig mehr und mehr Han-Chinesen. Ein Student aus Drugchu schrieb in einem Essay: Die Tibeter von Drugchu sind zumeist auf den Oberlauf des Drugkar ( chin. Bailong ) und des Gonba ( ein Nebenfluß des Drugkar ) verteilt. Abgesehen von zwei Dörfern am östlichen Berg, die rein han-chinesisch sind, und ein paar Ortschaften, die gleichermaßen von Han und Tibetern bewohnt sind, leben in den meisten Dörfern nur Tibeter - über 2/3 der Fläche des Bezirks sind in der Tat von Tibetern besiedelt. Vor Ort wird kolportiert, daß die Erdrutsche nicht nur das Resultat der heftigen Regenfälle waren, sondern daß sie ebenso der Zerstörung des Ökosystems durch menschliches Handeln zuzuschreiben sind. Dank des Internets gibt es in dieser Hinsicht einiges an Information, und dazu braucht man nicht einmal den großen Firewall zu überspringen, alle offiziellen Daten, Berichte und Studien liefern genügend Beweismaterial. Die Jahrbücher des Bezirks Drugchu bezeugen, daß dieser Ort schon immer für seine grünen Hügel und seine klaren Wasserläufe bekannt war, für die tosenden Wasser des Bailong Flusses, der sich elegant und anmutig wie eine Khatag durch den ganzen Bezirk zieht, gesäumt von dichten Wäldern und tiefe Täler durchschneidend. Doch diese malerische Landschaft wurde im Laufe der vergangenen 50 Jahre zerstört. 2005 berichteten offizielle Medien, daß von August 1952, als das Forstwirtschaftsamt Drugchu eingerichtet wurde, bis 1990 der gesamte Waldbestand des Bezirks um jährlich 100.000 m3 vermindert worden sei. Die Vegetation litt ebenso, und der dem Ökosystem zugefügte Schaden ist ungeheuerlich. In der Tat sind derartige Situationen nichts Ungewöhnliches auf dem großen, weiten, tibetischen Hochland. Um nur die reichen Naturressourcen der Wälder von Kardze ( chin. Ganzi ) zu nennen, die als Nummer eins aller Wälder in ganz China gelten und die abgesehen von einigen kleineren Abschnitten, die den Einheimischen zum Tempelbau dienten, immer sich selbst überlassen waren und unberührt blieben. Ab 1950 fand dann die Abholzung in riesigem Ausmaße statt, mancher Einschlag war organisiert, andere wiederum willkürlich. Das endete in einem rücksichtslosen, ungeheuerlichen Kahlschlag. Mancherorts ging er so weit, wie beispielsweise im Bezirk Drango ( chin. Luhuo ), wo die Wälder total verschwunden sind und nur noch die kahlen Abhänge dastehen, so daß sogar das Forstamt des Bezirks aufgelöst werden mußte. Die Konsequenzen dieser exzessiven Abholzung machten sich Ende der 90er Jahre bemerkbar, als es am Oberlauf des Yangtse-Flusses zu verheerenden Überschwemmungen kam. Daraufhin führte die chinesische Regierung eine Reihe von neuen politischen Maßnahmen gemäß der Maxime: Besser zu spät als nie ein. In den letzten Jahren jedoch haben sich die Regionalregierungen in Überseinstimmung mit dem Programm der Großen Entwicklung des Westens und dem Ruf nach rascher Wirtschaftsentwicklung folgend überall wieder an die Ausbeutung der Naturressourcen gemacht. Sie sagen, das sei notwendig, um das BIP zu vermehren, aber in Wirklichkeit dient diese Argumentation nur als Deckmäntelchen für Korruption und Gier der Behörden. Ein Bezirk wie Drugchu, der nur etwas über 130.000 Einwohner und etwas über 20 Dörfer aufweist, mußte erleben, wie er seit 2003 mit 47 Projekten zur Wasserkraftnutzung überzogen wurde. 15 Wasserkraftwerke sind bereits im Betrieb, und 14 weitere werden gebaut. Man kann sich nur schwer vorstellen, wo in den reißenden Wassern des Flusses diese vielen Wasserkraftwerke überhaupt entstehen sollen. Ein anderer Netzbürger, der selbst in Drugchu war, wies auf den Schaden hin, der durch den Bergbau in der Gegend verursacht wurde: Als Folge des jahrelangen Goldabbaus weisen die entwaldeten Berghänge nur noch eine dünne Schicht grauschwarzer Erde auf, in den Flüssen und Bächen wimmelt es von Gerätschafen zur Goldschürfung und der Fluß führt eine grauschwarze Lehmbrühe. Nach Aussage der chinesischen Regierung waren die Erdrutsche jedoch eine Naturkatastrophe. Dieser Grund wird immer genannt, wenn es irgendwo zu Katastrophen kommt. Daß das Unglück von Menschenhand verursacht wurde, wird niemals zugegeben oder anerkannt. Doch gibt es ein paar Experten, die zu dem Schluß kamen, daß die entsetzlichen Erdrutsche in der Tat durch die exzessive Entwaldung, sowie durch die Anlage von Wassernutzungssystemen in großem Maßstab ausgelöst wurden, was die Wahrscheinlichkeit für noch mehr ernste ökologische Katastrophen erhöht. Außerdem trugen Fehler bei der urbanen Planung der Bezirkshauptstadt zu dem Desaster bei. Yin Yueping, ein berühmter Experte für die Verhütung ökologischer Katastrophen, sagte bereits angesichts der schweren Erdrutsche und Schlammlawinen, die sich vor zwei Jahren in Dartsedo ( chin. Kangding ) ereigneten: Als ich im Bezirk Kardze war, fragte ich den Bezirkschef, warum er all diese Kraftwerke bauen lasse, wo sie doch so viele Probleme mit sich brächten und außerdem die Gefahr von Erdrutschen in der Bezirksstadt erhöhten; da antwortete er, daß seine jährlichen Steuereinnahmen dank des Baus so vieler Wasserkraftwerke auf 400 Millionen RMB gestiegen seien. Der Geologe Yang Liankang erklärt geradeheraus: Der Bedarf des Staates an Wasserkraft kann doch nicht so dringend sein, daß man dafür auf Menschenleben verzichtet. Ich war nie selbst in Drugchu, aber ich sah umliegende Gegenden, die landschaftlich und den klimatischen Gegebenheiten nach Drugchu sehr ähnlich sind, ich wohnte auch viele Jahre in Kham, so daß mir nun natürlich der Gedanke kommt: Diesmal donnerten diese alles verschlingenden Erd- und Schlammassen wie ein riesiger Drache über Drugchu hinab, aber wo wird er das nächste Mal zuschlagen? Ein Artikel über Twitter setzte mir sehr zu: In den Jahrzehnten vor 1980 wurden fast die gesamten indigenen Wälder der Gegend von Muli ( 2 ) zerstört, in den folgenden Jahren wüteten die Goldgräber wie die Ratten, und im jetzigen Jahrhundert ist es der frenetische Bau der Wasserkraftwerke. Das ehemals ruhige, liebliche und friedvolle Shambala ist zu einem lauten, vulgären und unfreundlichen Ort geworden. Die Katastrophe von Drugchu ist die Ouvertüre für Muli. Die Namen vieler vertrauter tibetischer Landstriche ziehen einer um den anderen vor meinen Augen vorüber, und ich erschaudere! Peking, 10. August 2010 ( 1 ) Die Erdrutschkatastrophe in Zhouqu ( Drugchu ) - von Menschenhand gemacht? ( Woesers Blog ), http://www.igfm-muenchen.de/tibet/Phayul/2010/Mudslide-manmade_10.8.html Wie von der chinesischen Global Times berichtet, stieg die Zahl der Todesopfer bis zum 1. September auf 1.471, während noch 294 Personen vermißt werden. ( 2 ) Autonomer Kreis Muli der Tibeter in der Autonomen Präfektur der Yi, im äußersten Südosten von Kham Quelle: HighPeaksPureEarth, www.HighPeaksPureEarth.com
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