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31.03.2010 16:16 | Kultur | zurück

Wenn Kardinäle rot werden


Heidelberger Abiturienten interpretieren ein unfreiwillig aktuelles Gemälde von Karen Shaverdyan


Heidelberg. Vor einem tief roten Hintergrund zeichnen sich fünf Kardinäle ab. Die feurigen Scherpen ihrer schwarzen Soutanen gehen nahtlos in den lodernden Raum über. Der fünfte Kollege ist nur an der Silhouette seiner traditionellen Kopfbedeckung zu erahnen. Das in diesen Tagen besonders brisante Gemälde von Karen Shaverdyan trägt den Titel "Das fünfte Element".

Am 26. März 2010 setzte sich der Kunst-Leistungskurs des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums in der Heidelberger "Galerie G" mit dem Original des Ölbildes auseinander. Die Abiturienten wurden ohne Vorinformationen aufgefordert, den Bedeutungspielraum des Kunstwerks auszuloten. Als erste Assoziation kam den meisten Schülern die aktuelle Debatte über die Fälle von sexuellem Missbrauch in Einrichtungen der katholischen Kirche. Sie entdeckten auf der Leinwand blutrote Chiffren der Gewalt, das Gesichtslose von anonymen Tätern und den abgehobenen Umgang von Kirchenvertretern mit der Welt. Nur nach außen würde hier der Schein gewahrt.

Andere Interpreten empfanden die Darstellungsweise mehr als grundsätzliche Kritik an der Institution Kirche. Für das Amt des katholischen Würdenträgers zahle man einen hohen Preis: die eigene Persönlichkeit würde aufgegeben. Manche gingen noch einen Schritt weiter und sahen in den schwebenden Roben nur noch unbeseelte Kleiderständer. Der Machtanspruch der Kirche als sinnentleerte Hülle. Doch es gab auch die eher nüchterne Lesart, dass sich hier fünf Kardinäle während der Papstwahl austauschen würden, weil noch immer kein weißer Rauch aufgestiegen sei.

Entsprechend der verschiedenen Sinnzuweisungen formten sich die Vorschläge für den Titel: "Kirche aktuell", "Die Scheinheiligen" und "Enklave".
Der armenische Künstler Karen Shaverdyan hält sich selbst mit Aussagen über sein Werk zurück. Das Bild entspringt einer intensiven gedanklichen wie künstlerischen Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Thema "Pentagramm", die im Jahr 2006 begann, also weit vor den aktuellen Schlagzeilen über den Klerus. Bei den Werken Karen Shahverdyans benötigen wir den zweiten Blick, um Antworten zu finden. Er selbst legt sich nicht fest. Und schweigt. Wie die Figuren seiner Kaufobjekte ...

Die 1967 eröffnete "Galerie G" geht zurück auf die Idee des jungen Dieter Grimmig, qualitätsvolle Tier- und Jagdkunst zu präsentieren. Auf der Suche nach einem künstlerisch gut ausgeführten Jagdbild für seinen Vater stellt er desillusioniert fest, dass es in Deutschland kaum möglich ist, etwas Geeignetes aufzuspüren und beschließt, diese Marktlücke zu schließen.

Mit den über die Jahre zusammengetragenen Werken der Professorin Norbertine von Bresslern-Roth gewinnt sie zwischen 1999 und 2003 auf Messen im Grazer Kongress, der Wiener Hofburg und der Salzburger Residenz viele neue Kunden und macht auf die Galerie G erneut international aufmerksam. Im Jahr 2002 findet eine Ausstellung "Neue Sachlichkeit" mit über 80 grafischen Werken - aus dem Bestand der Galerie - von elf Künstlern statt.

Bedeutsam für die rasche Umsetzung dieser Idee ist seine Begegnung mit dem später international hoch ausgezeichneten Künstler Manfred Schatz, der ihn auf die "Fährte" von Wilhelm Kuhnert - in der Fachwelt liebevoll "Löwen-Kuhnert" genannt - setzt. Ende der 60er Jahre entdeckt Dieter Grimmig die in Österreich sehr renommierte Professorin Norbertine von Bresslern-Roth und etabliert sie in der Galerie. Durch gegenständliche Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts rundet er das Galerieprogramm ab. Auf Ausstellungen im In- und Ausland, darunter die Weltjagdausstellung 1971 in Budapest, danach in Reno, Las Vegas und San Antonio, erlangt die Galerie internationales Ansehen.



Pressekontakt:

Petra Kern
Galerie G
Uferstraße 4
69120 Heidelberg
Telefon: 0049 ( 0 )6221 484120
EMail: info@galerie-g.de
Internet: http://www.galerie-g.de





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